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Geschichte
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Besiedlung | Maori, Siedler, Staat | Kriege | Unabhängigkeit | Nationale Identität | Neuseeland heute | Zeittafel | Links
Besiedlung

Aotearoa ist in der Sprache der Maori der Name für Neuseeland und bedeutet: Das Land der langen weißen Wolke. Um ca. 800, also mehr als 800 Jahre vor der Entdeckung Neuseelands durch Abel Tasman im Jahre 1642, hatten die aus Polynesien stammenden Maori das aus zwei Hauptinseln bestehende Land besiedelt. Über Jahrhunderte lebten die Maori in Stämmen zusammen. Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit waren und sind bis heute für die Maori Begriffe von herausragender Bedeutung. Noch wichtiger ist für sie nur noch der Begriff Mana, der allgemein für Stolz und Ehre steht, im besonderen aber Stolz und Ehre einer Person innerhalb der Gemeinschaft bedeutet. Der Begriff Gemeinschaft bezieht sich allerdings nicht nur auf den Stamm und die Familie, sondern in besonderem Maße auf die Vorfahren, die für die Maori einen Teil des irdischen Lebens ausmachen. Die Kultur der Maori trägt philosophische Züge und wurde über Jahrhunderte mündlich überliefert.
Maori, Siedler, Staat

Nach der Erkundung der Inseln durch James Cook (1769-1770) und mit der Inbesitznahme Neuseelands durch die Britische Regierung (Neuseeland ist seit 1841 Kronkolonie) begann die systematische Besiedlung des Landes durch die Europäer. Diese werden von den Maori Pakeha genannt, was in ihrer Sprache Eindringling und Fremder bedeutet. Mit dem Vertrag von Waitangi, welcher der Inbesitznahme voranging und diese rechtlich absicherte, sollte nicht nur die Besiedlung des Landes, sondern auch das Zusammenleben von
Europäern und Maori geregelt werden.
Der Treaty of Waitangi wurde am 6. Februar 1840 von Vertretern der britischen Regierung (also von Vertretern der Königin) und Häuptlingen der Maori-Stämme unterzeichnet. Der Vertrag zeigt recht einseitige Züge: So traten zum Beispiel die Maori die Souveränitätsrechte an Königin Victoria ab, während den Häuptlingen im Gegenzug der Besitz ihres Landes zugesichert wurde. Ein Kaufrecht hatte aber nur die Krone. Dieses Abkommen, das eigentlich als positives Beispiel für den Umgang mit "Eingeborenen" gilt, wurde allerdings so vage formuliert, dass er noch heute zu
Rechtsstreitigkeiten führt.
Die Geschichte der ersten gut 150 Jahre des neuseeländischen Staatswesens spiegelt die zunehmende Dominanz der Europäer und die daraus resultierende Anpassung der Maori wider. Es waren zwei völlig verschiedene Kulturen mit völlig unterschiedlichen Lebensformen aufeinandergestoßen. Zu Beginn der Besiedlung durch die Europäer lebten zwischen 100.000 und 200.000 Maori in Neuseeland. Doch schon 1896 war die Population durch eingeschleppte Krankheiten, durch die Verbreitung von Gewehren und die dadurch eskalierenden Kriege auf nur noch 42.000 gesunken. Die Anzahl der Europäer stieg um 1900 im Gegenzug auf ca. 772.000.
Kriege

Die Maori waren durch den Vertrag von Waitangi als rechtliche Partner akzeptiert worden und auch ihr Recht auf Landbesitz, eine eigenständige Kultur und die eigene Sprache waren anerkannt worden. Die Unterzeichnung des Vertrages führte jedoch nicht automatisch zu dessen Umsetzung und zu Gleichberechtigung. 1852 erhielt die Kolonie eine eigene Verwaltung, und den Maori wurden vier Sitze im Parlament zugestanden. Zur gleichen Zeit wuchs bei den Europäern der Bedarf an Land, was zu Landaneignungen und unkontrollierten Landkäufen führte. Doch die Maori ließen sich nicht ohne Gegenwehr assimilieren, ihr Widerstand machte die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts zu einem Jahrzehnt der Kriege zwischen Europäern und Maori. Diese
Auseinandersetzungen werden als "Landwars" bezeichnet.
Das Land erlebte in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts aber auch einen Aufschwung, verursacht durch die von England für die Kolonie zur Verfügung gestellten Soldaten und durch ins Land strömende Goldsucher. Nach einer schweren Wirtschaftskrise in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, die zum Teil durch den Abzug der Soldaten und die auswandernden Goldsucher ausgelöst wurde, folgte bis zum Ersten Weltkrieg eine lange Phase der Beruhigung, Erholung und des Wachstums. Politisch führte dies zu modernen Sozialprogrammen, wie zum Beispiel dem Frauenwahlrecht im Jahre 1893. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Neuseeland an der Seite der Engländer, im Zweiten Weltkrieg kämpften neuseeländische Soldaten zuerst unter britischem Kommando in Europa und später unter US-Kommando im Pazifik. Nach diesen Kriegen schloss sich Neuseeland westlichen Bündnissen, wie der UNO, an und nahm auch an den Kriegen in Korea und Vietnam teil.
Unabhängigkeit

1931 erlangte Neuseeland die Unabhängigkeit, blieb aber Mitglied des Commonwealth und erkannte die Königin Großbritanniens als ihr Staatsoberhaupt an. Neben der politischen Eingebundenheit in die westliche Gemeinschaft war Neuseeland wirtschaftlich eng an Großbritannien gebunden. Die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts waren Jahre des Wachstums und des Wohlstandes. Doch nach dem Beitritt Großbritanniens zur EWG im Jahre 1973 kam es zu Rezession und Arbeitslosigkeit, da die engere Bindung Großbritanniens an Europa den Handel Neuseelands einschränkte und zumindest wirtschaftlich zu einer Isolierung führte. ökonomische Probleme waren die Folge. Von diesem Zeitpunkt an orientierte sich die neuseeländische Regierung mehr in dem asiatischen Raum und
ging engere Beziehungen zu Australien ein.
Auch in der Außenpolitik kam es in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer Hinwendung zu den Nachbarstaaten und zu einer eher eigenständigen Politik. So entschied man sich, das Land zu einer nuklearfreien Zone zu erklären, was die Sperrung der Häfen für atombetriebene Kriegsschiffe zur Folge hatte und ernsthafte Spannungen zwischen Neuseeland und den westlichen Verbündeten hervorrief. Die wirtschaftlichen Probleme nahmen ab Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zu und erzeugten soziale Unruhen, die bis in die 80er Jahre hineinreichten. Diese Konflikte waren oftmals Ausdruck der Spannungen zwischen Maori und Pakeha. Neben der Rassenproblematik standen immer wieder Landfragen im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. So kam es 1976 zum "Land March",
1978 zu Protesten am Bastian Point und immer wieder zu Demonstrationen am Waitangi-Day (6.2.).
Proteste gegen die Rassenpolitik der Regierung erreichten 1981 ihren Höhepunkt, als die südafrikanische Rugby-Nationalmannschaft, die Springboks, zu Wettkämpfen nach Neuseeland eingeladen worden waren. Dies wurde als eine politische Entscheidung angesehen und führte zu Protesten in der Bevölkerung bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. 1987 erlangten Interessenvertreter der Maori einen Gerichtsbescheid, der den Vertrag von Waitangi bestätigte und den Maori die dort zugesagten Rechte zusprach. Dies stärkte das Selbstbewusstsein der Maori und sorgte dafür, dass Neuseeland seither international den Ruf eines liberalen Landes genießt, in dem Gleichberechtigung gelebt wird und in dem es Rassenprobleme nicht gibt.
Nationale Identität

In Neuseeland gab es keine langsame und kontinuierliche Entwicklung der Nation. Selbst die Maori, die schon lange vor den Europäern AOTEAROA besiedelt hatten, konnte man vor 1840 nicht als Nation, als eine nationale Einheit mit einer eigenen nationalen Identität, bezeichnen. Auch die neuen Siedler Neuseelands bildeten keine Einheit. Sie kamen aus verschiedenen Ländern und lebten in großer räumlicher Distanz zueinander. Im Gegensatz zu den Maori konnten sich die Pakeha in den ersten Jahrzehnten nach der Einwanderung nicht als NATIVES bezeichnen. Erst ab ca. 1900 entwickelten sich unter den Weißen "patriotische Gefühle", als nämlich ein Großteil von ihnen im Land geboren war. Die dominierenden Weißen versuchten nun Neuseeland zu einer Nation werden zu lassen, die die Maori einband. Doch erst durch eine gemeinsame Geschichte, die zusammen durchlebt wurde (u. a. zwei Weltkriege), entstand in gewisser Weise eine nationale Identität. Doch trotz dieser gemeinsamen Entwicklung gibt es noch immer in beiden Gruppen das Bedürfnis, sich voneinander abzugrenzen.
Neuseeland heute

In Neuseeland existieren wie in kaum einem anderen Land, das kolonialisiert wurde, Liberalität, eine offene Grundeinstellung gegenüber dem Fremden und Gleichberechtigung. Dennoch muß darauf hingewiesen werden, dass eine fehlende offene Diskriminierung nicht ausreicht, um eine gleichwertige Lebensgrundlage zu ermöglichen. So ist z.B. die Zahl der Arbeitslosen unter den Maori ungleich höher als unter den Pakeha. Die Bevölkerung Neuseelands setzt sich zu einem großen Teil aus Menschen europäischer Herkunft zusammen, bei denen es sich hauptsächlich um Briten handelt. Zu einem kleineren, aber bedeutenden Teil handelt es sich bei den Einwohnern um Maori. Der Anteil beträgt ungefähr 12 %, wobei die Tendenz steigend ist. Außerdem leben kleinere Gruppen aus Polynesien, China und Indien im Land. Neuseeland hat ca. 3,8 Millionen Einwohner.
Zeittafel

Um ca.
800 Einwanderung aus Polynesien
Um ca.
1000 Archäologische Funde, z.B. von der Moa-Jagd
Um
1500 Klassische Maori-Kultur auf der Nordinsel
1642 Abel Tasman entdeckt als erster Europäer Neuseeland
1769 James Cook erstmals in Neuseeland
1792 - 1810 Handel mit Robbenpelzen; Walfangschiffe laufen Neuseeland an; Robben sterben aus
1814 Erste Missionsstation wird gegründet
Ab
1821 Maori-Stämme kämpfen mit Feuerwaffen gegeneinander
1840 Vertrag von Waitangi; Neuseeland wird britische Kolonie
Ab
1845 Kämpfe zwischen Maori und weißen Siedlern
1852 Neuseeländische Verfassung (Constitution Act)
1860 - 1872 Land-Kriege (Landwars)
1861 - 1868 Goldfunde und Einwanderungswelle
1867 Maori erhalten 4 Sitze im Parlament
1886 Tarawera-Vulkanausbruch
1887 Erster Nationalpark des Landes (Tongariro)
1893 Einführung des Frauenwahlrechts
1901 Annexion der Cook- und anderer Pazifik-Inseln
1914 - 1918 Teilnahme am I. Weltkrieg
1931 Neuseeland wird unabhängig
1939 - 1945 Teilnahme am II. Weltkrieg
1953 der Neuseeländer Edmund Hillary besteigt als erster den Mount Everest
1965 Cook-Inseln erhalten Selbstverwaltung
1973 Britischer Beitritt zur E(W)G; Neuseeland im Sog der Weltwirtschaftskrise
1984 Neuseeland erklärt sich zum ersten atomwaffenfreien Land der Welt
1985 Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior wird vom Franz. Geheimdienst in Auckland versenkt
1987 Maori wird zweite Landessprache; der Treaty of Waitangi erhält Gesetzesstatus
1988 - 1990 Anhaltende Wirtschaftskrise; Maori erhalten Fischereirechte zurück; wachsende soziale Spannungen
1992 Tourismus wird wichtigster Wirtschaftssektor
1994 Erstmals Überschuss im Staatshaushalt
1995 Erneut Atomwaffenversuche der Franzosen im Pazifik
1997 Erste Premierministerin
2000 Neuseeland gewinnt erneut den America´s Cup
Links

Internet-Quellen zur Geschichte Neuseelands:
National Library
Ministry of Maori Development
The Knowledge Basket (research archive)
Internet-Quellen zur Politik Neuseelands:
New Zealand Parliament
New Zealand Government

